Als ich angefangen habe, Radio zu machen, waren ‚Talksendungen‘ für mich das höchste Level dessen, was ich mir als Moderatorin vorstellen konnte. Und etwas, das damals für mich noch in weiter Ferne lag, weil ich einen riesigen Respekt vor diesem Format hatte. Ein guter Talk galt als Königsdisziplin im Radiojournalismus. Für mich ist das auch heute noch so. Einem Menschen eine Stunde lang (oder auch mehr) im Gespräch gegenüber zu sitzen, sich mit ihm austauschen zu können, ihn einer breiten Zuhörerschaft näher zu bringen, ihn selbst und seine Ansichten kennenzulernen und manchmal auch kontrovers zu diskutieren, das ist eine besondere Herausforderung. Warum eigentlich, werden da jetzt vielleicht einige fragen. Jemandem ein paar Fragen zu stellen, das kann doch nicht so schwierig sein. Außerdem haben die Moderator/innen doch ihre Redaktionen, die ihnen die Gespräche vorbereiten. Oder etwa nicht? Ja, es gibt diese Talks, die redaktionell so ausführlich vorbereitet werden, dass man die Fragen und auch die jeweiligen An- und Abmoderationen nur noch abzulesen braucht. Persönlich halte ich das allerdings für einen journalistischen Offenbarungseid. Weil  ein Talk nach meinem Empfinden nur dann gelingen kann, wenn ich als Moderatorin meinen Talkgast wirklich kennenlernen will. Dazu gehört die inhaltliche Vorbereitung ganz selbstverständlich dazu. Das Lesen von Büchern, Artikeln und Dossiers. Und auch das Konzipieren und Aufsetzen eines Talk-Skripts, weil ich mich während des Schreibens noch einmal  in ganz besonderer Weise mit meinem Gast auseinandersetze. Das Skript ist übrigens immer auch eine Art ‚Talk-Drehbuch‘, das genau dann gelungen ist, wenn die Zuhörer die unsichtbare Dramaturgie dahinter als vollkommen organische, spontan klingende Gesprächssituation wahrnehmen. Was aber nach meiner Erfahrung das Wichtigste ist, das einen guten ‚Talker‘ ausmacht, ist Empathie. Verbunden mit einem echten Interesse an Menschen und einer gewissen Lebenserfahrung, die ich manchmal auch als ‚Lebensklugheit‘ bezeichne. Jemanden wirklich ’sehen‘ zu wollen, mit all seinen Facetten und ihm den Raum zu geben, diese Facetten auch zeigen zu können, ohne sich selbst in den Vordergrund spielen oder sich produzieren zu wollen, das ist die Kernkompetenz eines guten Talk-Moderators. Ich selbst versuche, all das Beschriebene in meinen Talksendungen zu beherzigen und hoffe, dass mir das im Laufe der Jahre immer besser gelungen ist und auch weiterhin gelingen wird. ‚Ich habe mich bei Ihnen gut aufgehoben gefühlt.‘ – für mich als  Talkmoderatorin übrigens das schönste Lob, das ich von meinen Gästen bekommen kann.